Thiersheimer Wächterhaus

Geschichtliches: Der Nachtwächter zu Thiersheim


Das noch heute vorhandene Wächterhäuslein vor dem westlichen Portalbau des ehemaligen, heute abgebrochenen Rathauses hatte ein mit
Brettern verschlagenes Giebeldreieck und wurde 1887 auch als "magistratisches Wachlokal" bezeichnet.
Nachtwächter gab es in jedem Ort von der Größe Thiersheims. Die 1841 beginnenden "Acta Localpolicey-Verwaltung", in Specie Sicherheitspolicey im Allgemeinen. - Die Aufstellung eines neuen Nachtwächters dahier betr.’ machen uns mit den Namen, den Obliegenheiten und dem Verhalten dieser auch in eigener Zuständigkeit der Gemeinde beorderten Männer bekannt.
Das Feld der Nachtwächter war der nächtliche Markt, wenn sich die Bürger zur Ruhe gelegt hatten. Er hatte jedes Mal die Stunde vernehmlich, aber nicht überlaut auszurufen und ein Zeichen mit dem Nachtwächterhorn dabei zu geben. Da nicht jeder eine gute Stimme hatte und das Horn im Winter leicht einfrieren konnte, gaben die der Kehle und dem Instrument entlockten Töne manchmal Anlass zum Spott.
Zudem hatte ein Nachtwächter die Feuerobsorge. Sobald er ein Schadenfeuer bemerkte, musste er dieses mit dem Ruf ‚Feuer’ andeuten und vor allen Dingen vor dem Rathaus Lärm machen, damit die Feuerspritzen in Bereitschaft gingen.
Es gab im Laufe der Jahre viel Ärger mit betrunkenen Nachtwächtern, zudem wurde ihnen der übliche ‚Heischegang’ von Haus zu Haus verboten. Das Einsammeln von Getreide, Kraut und Erdäpfeln etc. sowie das Glückwünschen zum Neuen Jahr hatte zu unterbleiben. Es kam auch vor, das man den Nachtwächter zu einer Feier einlud, ihn dort betrunken machte und ihm sein Wächterhorn versteckte. Dann stand er ohne Horn auf der Straße.
1872 gab es sogar zwei Nachtwächter in Thiersheim, von denen zeitweilig einer Wegmacher, Nachtwächter und Laternenanzünder war. Als die Schwelle zum 20. Jahrhundert überschritten wurde, näherte sich die Ära der Nachtwächter ihrem Ende.
Das noch heute vorhandene Wächterhäuslein vor dem westlichen Portalbau des ehemaligen, heute abgebrochenen Rathauses hatte ein mit Brettern verschlagenes Giebeldreieck und wurde 1887 auch als „magistratisches Wachlokal“ bezeichnet.
Heute wird das Wächterhaus vom Fichtelgebirgsverein als Vereinsheim genutzt.